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Blockieren – ja oder nein?

Dienstag, 18.Januar 2011 von

Meinung

Im abgelaufenen Jahr 2010 gab es für die Schweriner Jusos gleich mehrere Gründe, auf die Straße zu gehen – neben dem Naziaufmarsch am 25. September bleibt ebenfalls der Castor-Transport nach Lubmin in Erinnerung, der am 16. Dezember wie befürchtet den Schweriner Hauptbahnhof passierte. Im Zuge der Organisation des Widerstandes wurden wir in beiden Fällen vor allem von Seiten unserer Bündnispartner mit der Frage konfrontiert, ob wir die Nazis bzw. den Castor blockieren wollen oder würden oder eben nicht. Nach intensiver und spannender Diskussion – vor allem im Falle des Naziaufmarsches – hatte sich unser Juso-Kreisvorstand dann schlußendlich dazu entschieden, nicht zu Blockaden der Nazis bzw. des Castors aufrufen zu wollen und stattdessen eine „gewöhnliche“ Demonstration vorzuziehen.

Mich hat diese Entscheidung damals sehr erleichtert – ich habe nie verstanden, was ein Blockierer denn mit einer Blockade erreichen will oder was er zu erreichen glaubt. Für mich besteht der Sinn einer Demonstration nicht nur darin, die Meinung kundzutun oder gegen eine Sache zu demonstrieren. Für mich liegt der Sinn vielmehr auch darin, die Menschen für ein Thema zu interessieren und sie zu informieren, sie zu überzeugen und sie „mitzunehmen“. Für mich geht es darum, möglichst viele Menschen zu einer Teilnahme an einer Demonstration über den harten Kern der ohnehin schon politisch oder gesellschaftlich interessierten Bürger hinaus zu motivieren.

Nun hatten die Aktionen sowohl gegen die Nazis als auch gegen den Castor darunter zu leiden, dass viel zu wenige Menschen daran teilgenommen haben – dies lag jedoch ganz sicher nicht daran, das die Jusos Schwerin darauf verzichtet haben, zu einer Blockade aufzurufen. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich der Kreis der Teilnehmer einer Blockade immer mehr oder weniger auf einen Personenkreis beschränken wird, der den ohnehin schon Überzeugten zuzurechnen ist, und dass eine Blockade den einfachen Bürger, den ich mit einer Aktion gegen eine Sache zu motivieren gedenke, eher abschrecken wird. Damit läuft so eine Blockade ganz klar den Zielen zuwider, die ich eigentlich erreichen will.

Ein Argument, was ich von „Blockadewilligen“ immer wieder höre, ist, dass es sich bei einer erfolgreichen Blockade um eine Leistung mit großer Symbolkraft handelt. Auch das verstehe ich nicht. Hat man die Nazis oder den Castor damit wirklich gestoppt? Es steht zu befürchten, dass irgendwann wieder Nazis eine Demonstration in Schwerin anmelden – der nächste Castortransport nach Lubmin steht schon vor der Tür. Für mich ist es ein wesentlich stärkeres symbolisches Bild, mehr Menschen dazu gebracht zu haben, ihr Gesicht zu zeigen und damit gesagt zu haben: „Mit mir nicht.“ Wenn man im Zuge einer Demonstration auch nur eine Person überzeugen kann, auch für die entsprechende Position einzustehen, dann hat sie ihr Ziel bereits erreicht und macht damit mehr Sinn als eine Blockade.

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Ein Kommentar

  1. ICH sagt:

    Wer ist denn bei der Demo gegen die Nazis abgehauen um ein eigenes, schlechtes Ding am Pfaffenteich zu machen. Und wer hat sich allgemein nicht an Absprachen gehalten. Das waren die … oh… IHR !!!

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Endstation Rechts.

Storch Heinar

Jusos Mecklenburg-Vorpommern

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