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Ungesunde Verhältnisse bei Helios

Montag, 3.September 2012 von

Meinung, Soziales

In den letzten Tagen war ich zwei Mal Gast bei Streikaktionen der Kolleginnen und Kollegen der Helios Service Nord GmbH (einer Gesellschaft, an der die Helios Kliniken mit 51% beteiligt sind), um mich mit ihnen solidarisch zu erklären und auch um etwas mehr über die Arbeitsverhältnisse zu erfahren. Von ver.di-Betreuungssekretärin Diana Markiwitz lasse ich mir vor Ort erklären, dass der Konzern keine Notwendigkeit sieht, Verhandlungen über einen Tarifvertrag aufzunehmen. Die Angestellten von Helios Service Nord führen zwar keine Tätigkeiten mit medizinischem Hintergrund aus, sind aber dennoch unersetzlich: die Beschäftigten der Service-Gesellschaft sind zum Beispiel für die Essensversorgung der Patienten, den Fahrdienst, die Reinigung des Krankenhauses oder für Servicearbeiten auf den Stationen zuständig. Ohne diese wichtigen Tätigkeiten kann ein Krankenhaus nicht funktionieren. Deshalb ist es auch logisch, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Anspruch auf eine gerechte und der Wichtigkeit ihrer Tätigkeit entsprechende Entlohnung haben.

Während der Konzern sich selbst wirtschaftlich „bester Gesundheit“ erfreut und saftige Gewinne einfährt, erhalten die Beschäftigten von Helios Service Nord einen Einstiegslohn von 6,39 Euro pro Stunde, in höheren Entgeltstufen erhält man 6,90 Euro oder 7,63 Euro. Die Kolleginnen und Kollegen befinden sich dort nun schon etwa anderthalb Wochen im unbefristeten Streik. Helios selbst sieht dennoch keine Notwendigkeit, Verhandlungen aufzunehmen. Begründet wird dies mit dem zynischen Verweis darauf, dass in der Servicegesellschaft bereits „markt- und branchenübliche Löhne“ gezahlt werden. Weiterhin hat Helios vor, die Mitarbeiter der Servicegesellschaft in mehrere kleinere Servicegesellschaften überzuleiten, offensichtlich vorrangig mit dem Ziel, die Belegschaft zu zerschlagen, Tarifarbeit zu torpedieren und betriebliche Mitbestimmung zu erschweren, wie mir Diana Markiwitz erklärt.

Ich stelle fest: Moral und Anstand sind dem Helios-Konzern offenbar völlig fremd. Zu der für den Kapitalismus typischen Ausbeutung der Belegschaft und den ständigen und systematischen Versuchen, Gewerkschaften und Betriebsräte klein zu halten und die Rechte der Arbeitnehmer zu schleifen, kommt hier noch der wirklich perverse Umstand hinzu, das dies alles nicht nur auf dem Rücken der Beschäftigten, sondern auch noch auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird. Die Patienten, bei denen es um das höchste Gut des Menschen überhaupt, nämlich die Gesundheit, geht, werden zum Spielball mit dem Ziel maximaler Gewinnabschöpfung. Das empfinde ich als unerträglich.

Aus meiner Sicht war es darüber hinaus ein Fehler, das Klinikum Schwerin zu privatisieren. Sicher – man findet auch Gründe, die für eine Privatisierung des Krankenhauses sprechen. Aber es muss doch an erster Stelle um die Menschen (sprich: um die Patienten und die Beschäftigten) gehen – für die werden nun leider die negativen Auswirkungen der Privatisierung in vollem Umfang spürbar. Es kann aus meiner Sicht nicht gut gehen, wenn ärztliche Einrichtungen unter Gewinndruck geraten. Ich kann nur hoffen, dass im Zuge der Beratungen über den Haushalt der Stadt Schwerin niemand auch nur auf die Idee kommt, weitere kommunale Unternehmen zu privatisieren, die der Erfüllung von Grundaufgaben für die Bevölkerung dienen – denn die Auswirkungen auf die Beschäftigen werden dann, fürchte ich, ähnlicher Art sein!

Ich möchte abschließend sagen, dass ich allergrößten Respekt vor der Entscheidung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe, sich dies nicht weiter bieten zu lassen und in einen unbefristeten Streik zu treten. Ich wünsche allen Kolleginnen und Kollegen für den weiteren Verlauf des Streiks Kraft, Ausdauer und Mut und hoffe, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon in baldiger Zukunft in einer Höhe entlohnt werden, die der Wichtigkeit ihrer Arbeit entspricht. Ich möchte außerdem den Hauptamtlichen der Gewerkschaften mein Lob, meinen Respekt und meine Anerkennung für ihre Leistungen in dieser Auseinandersetzung mit dem Helios-Konzern aussprechen, ohne die der Arbeitskampf in dieser Form unmöglich wäre!

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Ein Kommentar

  1. Matthias Filter sagt:

    Respekt für alle die im heutigen Deutschland ihre sozialen Rechte nutzen. Wer für seine Chancen und sein besseres Leben kämpft, hat schon vieles erreicht. Die Privatisierungen( auch wenn sie damaligen Zeitgeist entsprachen und die heutigen Folgen nicht unerwartet sind )
    können Rückgängig gemacht werden . Wenn wir uns alle aktiv
    in den aktuellen Kapitalismus einbringen.

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Storch Heinar

Jusos Mecklenburg-Vorpommern

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