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#YallaCSU

„Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen.“ Dieser Satz aus dem – mittlerweile geänderten – Entwurf des Leitantrags für den CSU- Parteitag sorgt seit Tagen für eine aufgeregte Debatte, in die sich mitunter auch viel Spott mischte.

Einige, die für sich in Anspruch nehmen, eine sachliche, objektive Position zu beziehen, sagen, die Aussage sei im Kern richtig: Man müsse eine Sprache regelmäßig sprechen, um sie zu lernen. Das mag inhaltlich nicht falsch sein, entspricht allerdings genauso wenig der Aussage des umstrittenen Satzes, der die Verwendung der Amtssprache unseres Landes auch im privaten Bereich zur Bedingung für den weiteren Aufenthalt macht. Es ist genau dies, was ich für kritikwürdig halte. Um etwas zu lernen, ist es am besten, eine positive Motivation vor Augen zu haben, was in meinen Augen in keiner Weise durch ein derartiges Druckmittel ersetzt bzw. gewährleistet werden kann. Die hier durch die CSU erschaffene Repressalie stellt ein unzulässiges Eindringen in die Privatsphäre der Menschen dar ebenso wie eine nicht hinnehmbare Bevormundung. Darüber hinaus trägt die Erwähnung in einem offiziellen Dokument einer der Regierungsparteien der Bundesrepublik zur Stigmatisierung und Vorverurteilung einer bestimmten sozialen Gruppe bei.

Für die dieser Gruppe zugehörigen Menschen stellt die Sprache ohne Zweifel eine wichtige Brücke hin zu ihrem neuen Leben dar. Jedoch sollten wir ihnen, so finde ich, viel eher helfen, diese Brücke zu bauen, als unter Forderung von nahezu Unmöglichem damit zu drohen, sie bei Nichterfüllung wieder einzureißen. Im Klartext: Es müssen, um Sprache zu vermitteln, kostenlose Kurse angeboten werden, zu denen jede/r Immigrant/in Zugang hat. Statt ihnen vorzuschreiben, wann sie was zu tun und zu lassen haben sollten wir Möglichkeiten bieten, zunächst die Grundlagen gemeinsam zu legen. Dadurch wäre nicht nur die Spacherlernung für alle Beteiligten sehr viel angenehmer und positiver gestaltet, vielmehr wird ebenso ein Weg geboten, sich mit anderen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie sie sich selbst, auszutauschen.

Wie sollen wir sonst eine Integration bewerkstelligen, wenn nicht auf der Grundlage von Offenheit, Respekt, Verständnis und Toleranz sowie dem Eröffnen und Wahrnehmen von Möglichkeiten? Wenn wir Integration wollen, also nach exakter Wortbedeutung die „Herstellung einer Einheit“ bzw. Die „Einbeziehung in ein größeres Ganzes“, dann können wir das meines Erachtens nur schaffen, wenn wir auf die Menschen, die nach Deutschland bzw. nach Europa kommen, zugehen und sie freundlich in Empfang nehmen und einladen, an unserer Gesellschaft teilzuhaben. Mit dem Erschaffen von immer mehr und immer neuen Verboten, Geboten und Regelungen schaffen wir nur Distanz und auf Dauer wird das daraus resultierende Unverständnis füreinander zu Hass führen. Teile hiervon können wir bereits in dem Entstehen von verschiedenen Gruppierungen sehen, die als erklärtes Ziel die Vertreibung oder den Hass und das Vorgehen der gesamten Gesellschaft gegen eine Minderheit innerhalb jener, die durch einen Glauben oder eine Meinung miteinander verbunden ist. Nur, wenn wir Verständnis schaffen, können wir dieser Entwicklung auch langfristig entgegenwirken.

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Endstation Rechts.

Storch Heinar

Jusos Mecklenburg-Vorpommern

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